Antiautoritäre Erziehung - was Sie dazu wissen sollten

Antiautoritäre Erziehung - was Sie dazu wissen sollten

Die Erziehung der Kinder kann zu einem grossen Problem werden. Schon wenn Ihr Nachwuchs noch klein ist, sollten Sie sich Gedanken über geeignete Erziehungsmethoden machen. Was bedeutet dieses antiautoritär überhaupt, haben Sie hier das ultimative Hilfsmittel?

Motive und Entwicklung der antiautoritären Erziehung

In den späten 1960er Jahren und im folgenden Jahrzehnt entwickelte sich ein neues Erziehungskonzept, das sich gegen die bis dahin typische Elternautorität wandte. Diesem Konzept lagen pädagogische Ziele zugrunde, die sich nicht nur mit dem praktischen Erziehungsstil befassten, sondern mit einer umfassenden Philosophie. Es entstanden neue Normen, welche die Individualität der Kinder stärker berücksichtigen sollten.

Der Ursprung dieser Bewegung setzte bereits in den 1930er Jahren ein. Unter anderem kritisierte der Psychoanalytiker Wilhelm Reich die patriarchalischen Strukturen. Er war der Meinung, dass das damalige Verhalten verbunden mit der Unterdrückung der eigenen Emotionen die gefährlichen Massenneurosen förderte.

Um 1970 wünschten sich immer mehr Eltern mehr Freiraum für ihre Kinder. Das Gute in den noch jungen Menschen sollte sich entfalten und die Erziehungsberechtigten dürften es nicht negativ beeinflussen. Wachsenlassen war das neue Konzept sowohl der Reformpädagogik und auch der selbst ernannten Antipädagogik.

Antiautoritäre Kindererziehung in der Praxis

In der praktischen Kindererziehung von heute zeigt sich der Kontrast zum früheren autoritären Erziehungsstil. Strenge Eltern gibt es noch immer, doch im Vergleich zu früher haben die Kinder und Jugendlichen viel mehr Freiheiten. Dadurch können sie sich zu selbstbewussten Menschen entwickeln und eigene Entscheidungen treffen.

Zu den wichtigen Zielen der Reformpädagogik gehören Anreize für mehr Kreativität, eine starke Persönlichkeit und Gemeinschaftssinn. In der Praxis stellt sich aber oft die Frage, ob das reine Lustprinzip die Basis für eine gute Erziehungsmethode ist. Schon ein Baby möchte sich durchsetzen und braucht hin und wieder ein „Nein“, um seine Grenzen kennenzulernen.

Die Grundidee der antiautoritären Bewegung ist sicherlich sinnvoll, doch Sie benötigen ein gutes Gespür für die Zwischentöne, wenn es um die praktische Erziehung geht. Ansonsten erhöht sich die Gefahr, dass Ihr Nachwuchs zum kleinen Rüpel oder zum eigenbrötlerischen Egoisten wird. Gerade solche Fälle haben dafür gesorgt, dass der sanfte Erziehungsstil nicht überall einen guten Ruf hat.

Für Sie bedeutet das unter anderem, dass Sie für Ihre Kinder ein paar sinnvolle Regeln aufstellen sollten. Ohne Leitlinien und Grenzen werden schon die Kleineren zu Dickköpfen, was sich mit den Jahren oft noch verschlimmert. Die Grenzen, die Sie zuhause setzen, helfen Ihrem Nachwuchs dabei, auch Regeln von anderen Personen wie Lehrern zu respektieren. In der Folge können sie besser mit einem „Nein“ oder mit negativen Reaktionen umgehen. Auch Empathie und Rücksichtnahme lassen sich durch eine einfühlsame und nicht zu nachlässige Erziehung mit gewissen Grenzen stärken.

Nicht nur in der Familie, auch in der Kita, im Kindergarten und in der Schule gibt es verschiedene Erziehungskonzepte für Babys, Kinder und Jugendliche. Zu den Vorreitern im Bereich der kindgerechten Pädagogik gehören die Montessori Privatschulen. Bei den Kontaktstellen in Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern finden Sie vielfältige Informationen zu den praktischen Abläufen und zum Lernprogramm.

Praktisch kann die frühkindliche Erziehung beispielsweise so aussehen:

  • Kleinkinder werden zu nichts gezwungen,
  • Erzieher machen lediglich Vorschläge zum Basteln oder Malen,
  • das Verhalten ist wertschätzend und freundlich,
  • es gibt klare Regeln sowie Grenzen, die jedoch die Selbstentwicklung nicht beeinflussen,
  • das Verantwortungsbewusstsein wird gefördert.

Antiautoritär erziehen – Zuspruch und Vorzüge

Grundsätzlich scheint die antiautoritäre Methode viele Vorteile zu haben. Schon junge Menschen werden als gleichberechtigte Individuen wahrgenommen und respektiert. Das stärkt das Selbstvertrauen und schafft Freiraum. In diversen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Kreativität dadurch erheblich gesteigert wird. Zudem lernen die jungen Schüler schon frühzeitig, wie wichtig Verantwortung und Unabhängigkeit sind. Sie können ihre Stärken, Schwächen und Bedürfnisse erstaunlich gut einschätzen.

Wenn Sie sich für diesen Erziehungsstil entscheiden, geben Sie Ihrem Nachwuchs die Freiheit, selbst über die Schlafenszeit, die Hausaufgaben und die Gestaltung der Freizeit zu entscheiden. Das heisst, dass Ihr Kind dann zu Bett geht, wenn es müde ist, und dann lernt, wenn es Lust dazu hat. Für diese Eigenverantwortung ist allerdings eine gewisse Reife nötig. Deshalb sollten Sie zumindest Vorschläge und Angebote liefern. Sehr beliebt sind Auswahlmöglichkeiten, die sich auf die aktuellen Aufgaben und Prioritäten beziehen: Jetzt eine Pause machen und dann Schulaufgaben machen, oder erst arbeiten und dann Basteln oder Spielen?

Einige Regeln sind für ein harmonisches Zusammenleben unverzichtbar, doch Sie sollten darauf achten, dass Sie Ihr Kind nicht zu sehr einschränken und herumkommandieren. Das wäre die restriktive Erziehungsmethode, die Ihrem Nachwuchs das Gefühl gäbe, fremdbestimmt zu handeln. Regen Sie Ihr Kind lieber dazu an, verantwortungsbewusst zu handeln, von Fall zu Fall zu entscheiden und an die Konsequenzen zu denken.

Kritikpunkte

Die Reformpädagogik mit ihrem antiautoritären Ansatz hat viele Kritiker, die vor allem den Egoismus als negative Folge ansehen. Dass Egoismus aber vorwiegend auf den Wertvorstellungen einer Ellbogengesellschaft basiert, die gerade mit dem klassischen restriktiv-autoritären Ansatz vertreten werden, wird als Argument nicht berücksichtigt. Zum nachlässig wirkenden Verhalten der Eltern gibt es kritische Stimmen, die behaupten, dass diese Erziehung nichts mit funktionierender Pädagogik zu tun hat. Typische Nachteile im Zusammenhang mit dem antiautoritären Erziehungsstil sind zusammengefasst:

  • Das Lustprinzip kann Probleme im Alltag schaffen, indem es Betroffene dazu bringt, Pflichten zu umgehen.
  • Der Umgang mit negativer Kritik fällt den antiautoritär erzogenen Personen auch im Erwachsenenleben schwer.
  • Der "Egoismus" schränkt die Rücksichtnahme gegenüber Schwächeren ein.

Die Bewegung und Weiterentwicklung des antiautoritären Erziehungsstils

Die heutige Entwicklung in der Erziehung nimmt den ursprünglichen Ansatz auf und führt ihn entsprechend der neuen Erkenntnisse weiter. Für eine Orientierung werden Grenzen gesetzt und Regeln aufgestellt. In den heutigen Kindergärten und Schulen herrscht der demokratische Erziehungsstil.

Auch innerhalb der Familie werden Sie feststellen, dass das Alltagsleben nur mit Kompromissen funktioniert. Dieser veränderte pädagogische Stil fördert ebenfalls die Individualität Ihres Kindes und geht respektvoll mit den verschiedenen Meinungen um. Bei einem Regelverstoss zucken Sie aber nicht nur mit den Schultern, sondern machen eine klare Ansage, dass solche Dinge nicht passieren dürfen. Strafen gehören natürlich nicht in die moderne Erziehung hinein, aber ein eindeutiges „Nein“ ist manchmal nötig.

Entscheidend für das Vorgehen ist der gesunde Menschenverstand. Kinder lernen weniger dadurch, was man ihnen sagt, als was man ihnen zeigt. Lehren Sie Ihrem Kind den Unterschied zwischen rationaler (die Eltern, die wissen wo es lang geht) und irrationaler (der Politiker, den keiner haben will) Autorität. So wird es sich selbst mit der Thematik beschäftigen, was der beste Ansatz zu einer selbstbestimmten und offenherzigen Entwicklung sein dürfte.

Lesen Sie sich unbedingt gleich noch die FAQ zum Thema «Antiautoritäre Erziehung» durch.

Doch zuerst: Sind Sie unsicher mit Ihrem Erziehungsstil, oder haben Sie andere Fragen zu Erziehungsproblemen und würden sich gerne ein bischen sicherer fühlen?

Eine Gespräch bei einer erfahrenen Erziehungsberatung kann da Wunder wirken. Vielfach fühlen sich Eltern danach viel sicherer, wenn sie Tipps bekommen – und merken, dass sie zwar einiges, aber eben bei weitem nicht alles falsch machen.

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FAQ

  • Was bedeutet autoritäre Erziehung?

Diese Art von Erziehungskonzept basiert auf einem System mit Strafen und Belohnungen. Die hierarchischen Strukturen sind fix: Kinder handeln als Untergebene und führen die Vorgaben der Eltern aus. Die Unterdrückung von Emotionen und Bedürfnissen führt häufig zu psychischen Problemen, vor allem bei fehlender emotionaler Unterstützung.

  • Was bedeutet antiautoritäre Erziehung?

Bei dieser Erziehungsmethode geht es zwanglos zu. Das dient der Selbstentfaltung und Kreativität der Einzelnen. Der Nachwuchs kann frei agieren und seine Persönlichkeit ohne Grenzen austesten. Das kann sich positiv auf die Gemeinschaftsfähigkeit auswirken, solange eine Erziehung tatsächlich stattfindet.

  • Wie funktioniert sie?

Der antiautoritäre Erziehungsstil funktioniert in erster Linie durch Menschennähe, Vorschläge und Anregungen. Die Kleinen werden zur Kreativität motiviert, indem man ihnen zeigt, was das ist. Dadurch lernen sie selbstständiges Denken und entwickeln ein starkes Selbstbewusstsein - sie werden zu Personen mit einer eigenen Meinung.

  • Warum ist sie entstanden?

Diese Erziehungsphilosophie hatte das Ziel, das Obrigkeitsdenken abzuschaffen. Dahinter stand der Wunsch, den Zwang zum Gehorsam zu überwinden. Die Wegbereiter wollten die körperliche Züchtigung bekämpfen und suchten nach einer menschlichen, verantwortungsbewussten Erziehungsmethode. Auch die häusliche Unterdrückung, die in den 1960ern noch an der Tagesordnung war, sollte dadurch ein Ende finden.

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